Persönliche Ziele: ich weiß nicht, was ich will

Persönliche (passende!) Ziele vor Augen zu haben wirkt motivierend. Sie geben Kraft und Energie, um mit Herausforderungen im Alltag leichter umzugehen. Persönliche Ziele geben Aufgaben einen Sinn. 

Immer häufiger treffe ich jedoch Menschen, auf die sich vor allem der Zielfindungsprozess keineswegs motivierend auswirkt. Vielmehr fühlen sie sich davon unter Druck gesetzt. Sie wissen gerade nicht, was sie wirklich wollen und können deswegen auch keine persönlichen Ziel definieren. Somit fehlt häufig nicht nur der grundsätzliche Antrieb und eine Orientierung (aufgrund fehlender Ziele) im Leben. Dieser schwebende Zustand ist zusätzlich belastend, Entscheidungen zu treffen fällt schwer. 

Falls es dir gerade ähnlich geht, findest du hoffentlich die Motivation diesen Artikel zu lesen. Hier findest du wertvolle Tipps und Anhaltspunkte, wie du wieder Schritt für Schritt herausfinden kannst, was dir im Leben wirklich wichtig ist. 

Manchmal ist das Ziel im Weg

Wenn du gerade noch nicht weißt, was du wirklich willst, dann versuch nicht weiter krampfhaft ein persönliches Ziel in der Zukunft zu suchen. Denn das kann den eigentlichen Entwicklungsprozess zusätzlich blockieren. Dieser beginnt nicht mit einer Zieldefinition, sondern damit herauszufinden, an welchem Punkt in deinem Leben du dich gerade befindest. 

Bevor wir uns genauer anschauen, was du tun kannst, um deine Ausgangslage besser zu verstehen, findest du hier noch weitere relevante Informationen zur Zielfindung: 

Was ist eigentlich ein Ziel? Was bedeutet es und warum ist es für uns so wichtig?

Ziele: Definition

Nach Dorsch (Lexikon der Psychologie) ist ein Ziel “(…) die für eine gerichtete Handlung oder das Ergebnis einer konkreten Leistung mögliche und notwendige Vorgabe eines Endzustands oder Endprodukts. Ziele sind Dreh- und Angelpunkte bei der Steuerung menschlichen Handelns. (…) Die Bildung von Zielen kann sowohl durch externe Zielvorgaben angeregt werden als auch Ergebnis interner Prozesse sein, die bewusst oder auch unbewusst ablaufen. Nach abgeschlossener Zielbildung steuern Ziele die Handlungsabläufe im Hinblick auf das angestrebte Ergebnis. (…) Vor allem bei längeren Handlungsabläufen sorgt eine starke Bindung an das gesetzte Ziel (Zielbindung) für ein ausdauerndes Bemühen, trotz möglicher Widerstände und Ablenkungen zum Ziel zu kommen.” Autor: Prof. em. Dr. Uwe Kleinbeck 

Im Folgenden geht es vor allem um die zweite Art von Zielen. Also persönliche Ziele, die du für dich selbst festlegst und die aufgrund deiner Bedürfnisse und Wünsche entstehen.

Warum ist es wichtig persönliche Ziele zu haben?

Motivation, Energie, Erfolg, Selbstwert, Ziele – alle fünf Bereiche zahlen aufeinander ein und bedingen sich gegenseitig. Denn wie oben bereits beschrieben, ist ein persönliches Ziel auch immer mit einem Antreiber (warum mache ich es) verbunden. Er gibt die notwendige Kraft um ins Handeln zu kommen. Die Erfüllung persönlicher Ziele bringt zudem Energie und Freude, während wir darauf zu eifern. Selbst die kleinen Erfolge, die auf dem Weg verbucht werden können, stärken das Selbstbewusstsein und fördern die persönliche Entwicklung.

Ohne Ziele vor Augen, fehlt es an eben genau dieser Motivation – wozu machst du überhaupt das, was du machst? Erfolgserlebnisse entstehen wenn überhaupt nur durch Zufall und fühlen sich auch genau danach an. Es fehlt der Antrieb und die Möglichkeit Erfolgserlebnisse zu erzielen. Darunter leidet die gefühlte Wirksamkeit und mit der Zeit das Selbstwertgefühl.

Du weißt nicht was Du willst – nimm erstmal den Druck raus

Um für sich selbst heraus zu finden, was man will und eine motivierende Zielmotivation zu finden, ist Druck kontraproduktiv. Druck erzeugt Stress und blockiert den Zugang zu Bereichen in unserem Körper und Gehirn, die wir benötigen, um die für uns richtigen und stimmigen Entscheidungen zu treffen. 

Häufig fühlt man sich in solchen Stuck-States, in denen nichts voranzugehen scheint, unzufrieden und antriebslos. Alles ist gerade zu viel und am liebsten würde man sich einfach nur die Bettdecke über den Kopf ziehen und sich verstecken. Entsprechend kontraproduktiv sind dann gut gemeinte Ratschläge, wie “jeder weiß doch was er will” oder “du wirst doch irgendwelche Wünsche oder Ziele haben”. Sie erzeugen noch einmal zusätzlichen Druck –  Sollte ich wissen, was ich möchte? Ja, aber da ist nichts. Ich habe keine Ahnung. 

Der Schlüssel, um diesen Kreislauf zu unterbrechen, liegt in der Frage nach dem Warum? Warum mache ich das, was ich mache. Warum macht mir etwas Spaß und manche Sachen nicht? Es geht darum den Blick zuerst auf deine aktuelle Situation zu lenken. Wer bist du, was macht dich aus, was sind deine Stärken und Fähigkeiten, was ist dir wichtig? Wenn du diese Fragen für dich beantwortet hast, wirst du auch wieder persönliche Ziele für dich definieren können. 

Wenn die persönliche Orientierung fehlt, dann verfallen wir aber stattdessen leichter in eine der beiden folgenden Strategien: Aktionismus oder Starre. Vielleicht findest du dich in einer der beiden Optionen wieder…

Strategie A: In Aktionismus verfallen – machen, machen, machen ...

… immer wieder neu, in der Hoffnung, dass das Richtige schon dabei sein wird. 

Es ist grundsätzlich positiv, ins Handeln zu kommen, um etwas zu verändern. Die Schwierigkeit liegt jedoch darin an der richtigen Stelle anzupacken. Häufig entsteht eine Art blinder Aktionismus – der Drang etwas zu machen, damit sich wieder irgendetwas ändert. Raus aus der Starre. Egal was. Gut, dadurch bleibt man in Bewegung und ist nicht lethargisch.

Häufig kommt es in solchen Phasen zu enormen Aufs- und Abs. Sobald sich eine neue Möglichkeit auftut, stürzt man sich euphorisch nicht nur auf, sondern gleich mitten in die neue Aufgabe. Schließlich besteht die Hoffnung, dass es zufällig genau das Richtige ist und sich dadurch alle Probleme lösen. Hat sich die anfängliche Euphorie gelegt und die Hoffnung weicht dem Alltag, fühlt man sich mehr und mehr ausgelaugt. Alle Energie ist in die neue Aufgabe, den neuen Job etc. geflossen. Nach einer Weile realisiert man, dass es doch nicht das Richtige war. Der erhoffte Effekt, das Glücks- oder Zufriedenheitsgefühl bleibt aus. Es ist einfach nicht stimmig. Irgendetwas passt wieder nicht – man gibt unglaublich viel Energie in die neue Sache, aber es kommt keine zurück. Es fühlt sich auch nach der Anfangsphase noch immer an wie ein Kampf. *Puffff* – was jetzt? … und das Spiel beginnt von vorne – schnell etwas Neues finden.

Strategie B: Abwarten und hoffen

Strategie Nummer zwei – Nichtstun – auf der Stelle treten, stehen oder verkriechen.

Vielleicht kommen dir die folgenden Sätze bekannt vor: ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Nichts spricht mich an. Das hat alles keinen Sinn und ich habe weder Energie noch Motivation etwas Neues anzugehen. Hoffentlich wird sich von alleine etwas finden oder in meinem Sinne verändern.

Es ist nie eine gute Strategie, die Verantwortung für sein Leben von äußeren Umstände oder vom Verhalten anderer Personen abhängig zu machen! Wirklich ausnahmslos nie! 

Eines unserer Grundbedürfnisse ist Selbstbestimmung. In der Phase, in der wir auf ein Wunder von außen hoffen, sind wir nicht eigenmächtig. Neben der fehlenden Motivation und Ziellosigkeit, gesellt sich ein Gefühl der Hilflosigkeit und Abhängigkeit.

Zudem kommt es einem Lotto-Spiel gleich. Denn niemand außer dir kann bestimmen, was für dich das Richtige ist. Du wartest auf einen glücklichen Zufall – aber auch der wird nur dann Zustande kommen, wenn du aktiv wirst. Und wenn es das Ausfüllen eines Lotto-Scheins ist, unter Menschen gehen, Kontakte knüpfen, Bewerbungen schreiben, Weiterbildungen machen … du wirst definitiv dein Glück ein stückweit selbst in die Hand nehmen müssen. 

Methode: Du steckst fest oder hast dich gerade wieder in der Aktionismus-Schleife verheddert? Einen ersten Ansatzpunkt, wie du eine Veränderung in Gang bringen kannst, bekommst du, wenn du dir folgende Frage beantwortest:

Was kannst du tun, um deine Situation zu verschlechtern?
– dann mach das Gegenteil!

Klingt zu einfach? – dann mach es doch einfach!

Wie oben bereits beschrieben ist es hilfreich, sich erst einmal auf das Warum und deine Ausgangslage zu konzentrieren

Persönliche Ziele definieren: Warum ist die Ausgangslage so wichtig?

Persönliche Ziele und Strategien zu haben ist toll und sinnvoll, wenn man von A nach B will. In diesem Fall ist B, das persönliche Ziel, noch nicht bekannt. Aber häufig A, die Ausgangslage, ebenfalls nicht. Meistens wissen wir nicht, von welchem Punkt aus wir starten!

Die Ausgangslage ist der Punkt, an dem du gerade bist. 

  • Wie siehst du dich selbst?
  • Was sind deine Werte? 
  • Was sind deine Überzeugungen und Glaubenssätze? Sind diese förderlich oder behindern sie dich gerade? 
  • Bist du dir bewusst, was du schon alles gemacht hast? 
  • Was du alles bereits kannst? 
  • Was sind deine Stärken und Schwächen? 

Die Beantwortung dieser Fragen sind die Grundlage, um für dich die richtigen Entscheidungen zu treffen und persönlichen Ziele zu definieren.

Du wirst sowohl das richtige Ziel, als auch die passende Strategie für dich finden, wenn du weißt, an welchem Punkt in deinem Leben du dich gerade befindest. Deine Bedürfnisse, Werte und deren Bedeutung verändern sich im Laufe des Lebens. So hattest du während der Schulzeit sicherlich eine andere Vorstellung davon, was Freiheit oder Sicherheit für dich bedeutet und welchen Stellenwert diese Werte für dich haben, als zur Studienzeit, dem ersten Job, mit eigenen Kindern oder gar wenn die Kinder dann wieder aus dem Haus sind. Viel zu selten hinterfragen wir unsere eigenen Werte. Unbewusst handeln wir so, wie wir es immer getan haben, denn damit sind wir mal gut gefahren. Doch irgendwann machen die Entscheidungen nicht mehr glücklich, sie erfüllen uns nicht mehr. Sie befriedigen Werte und Bedürfnisse die für dein heutiges Ich keine Bedeutung mehr haben.  

Der Wunsch nach Veränderung oder das Gefühl nicht zu wissen, was man will entsteht häufig, wenn sich Werte und Bedürfnisse (unbewusst) verändern. Das Verhalten jedoch nicht. Kennst du aber deine Antreiber und Motivatoren, dann werden daraus neue persönliche Ziele entstehen. Wenn du weißt, was deine Stärken und Fähigkeiten sind, dann wirst du auch den passenden Weg finden, um deine persönlichen Ziele zu erreichen. Mit diesen Rahmenbedingungen lassen sich Entscheidungen einfacher treffen, weil du nun auch wieder bewusst weißt, was du eigentlich willst und was nicht. 

Tipp 1: Die Wheel-of-life-Methode ist ein guter Ansatzpunkt. Hierbei gehst du alle Lebensbereiche durch und spürst in dich hinein, wie zufrieden oder unzufrieden du mit der aktuellen Situation bist. Während du die Methode anwendest, kannst du auch neue Zielvisionen für dich entwickeln. Auf diese Weise findest du eine gute Orientierung, was du in deinem Leben verändern könntest und in welche Richtung. Eine Anleitung zu der Methode findest Du in diesem Artikel.

Tipp 2: Grübel nicht so viel darüber nach, mach es einfach 😉

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